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Erster Realeinsatz nach der Umstrukturierung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Christian Roger Fechner   
Dienstag, den 28. August 2007
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  1.000 l Furfurylalkohol sind in einer Spedition ausgetreten und in die Regenwasserkanalisation geraten. 

Zu einem Gefahrgutunfall ist es am späten Nachmittag bei einer Spedition in der Hannoverschen Straße in Höver gekommen. Bei Ladearbeiten wurde ein 1000 Liter-Gebinde mit Furfurylalkohol beschädigt, so dass der Inhalt auslaufen konnte. Durch das rasche und richtige Unmittelbar nachdem das Gebinde beschädigt wurde, sorgten die Mitarbeiter dafür, dass der betroffene Bereich sofort geräumt wird, die Bodeneinläufe der Oberflächenentwässerung verschlossen wurden, die Feuerwehr alarmiert wurde und dass der Feuerwehr die Ladepapiere ausgehändigt wurden.

Um 17.12 Uhr wurden die Ortsfeuerwehr Höver sowie die Gefahrgutgruppe der Stadtfeuerwehr Sehnde und die Dekontaminationsgruppe Bilm/Ilten alarmiert; später wurde noch der Gefahrgutzug Lehrte nachalarmiert. Unmittelbar nach dem Eintreffen der ersten Einsatzkräfte wurde der Einsatzbereich abgesperrt und eine Dekontaminationsstelle aufgebaut. Erst dann konnten die Einsatzkräfte in den Vollschutzanzügen vorgehen. Vollschutzanzüge waren notwenig, weil der ausgelaufene Stoff, Furfurylalkohol, giftig ist und über die Haut aufgenommen wird. Allerdings verdunstet der Stoff bei den vorherrschenden Temperaturen nicht, so dass keine Gefahr für die weitere Umgebung bestand. Da er zudem noch wasserlöslich ist, konnte er relativ leicht beseitigt werden. Dazu wurde die Oberflächenentwässerung im betroffenen Bereich wieder geöffnet, nachdem am tiefsten Punkt des Entwässerungssystems andere Zuläufe abgedichtet wurden und das ankommende Gefahrgut-Wasser-Gemisch durch ein Spezialfahrzeug abgesaugt werden konnte.

 

Trotzdem zog sich der Einsatz über gut fünfeinhalb Stunden hin, was vor allem dadurch zu erklären ist, dass die Trupps in den Vollschutzanzügen an der Einsatzstelle nur etwa 10 Minuten arbeiten können und dann wieder ausgetauscht werden müssen. Da die Trupps in den Vollschutzanzügen völlig von der Umgebung isoliert sind, müssen sie bereits beim Anziehen der Anzüge, beim An- und Abmarschweg, bei der Dekontamination und beim Ausziehen der Vollschutzanzüge Luft aus ihren Atemschutzgeräten atmen, wodurch die effektive Einsatzdauer am eigentlichen Einsatzort stark eingeschränkt wird. Nachdem alles gereinigt und gespült war, konnte die Einsatzstelle dem Betreiber wieder übergeben werden.

 

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Furfurylalkohol

Synonyme: 2-Furanmethanol, 2-Furancarbinol, 2-Hydroxymethylfuran, Furfurallkohol
Chemische Formel: C5H6O2
Molekulargewicht: 98.1
CAS-Nr.: 98-00-0
RTECS-Nr.: LU9100000
UN-Nr.: 2874
Index-Nr.: 603-018-00-2
EINECS-Nr.: 202-626-1
Gefahrensymbole: Tox-61.gif Tox-63.gif EU-Gesundheitsschaedlich.gif
Umweltgefahren: Tox-WGK.gif Schwach wassergefährdend (WGK 1).
EU Einstufung: Xn
UN Klassifizierung: UN Gefahrenklasse: 6.1, UN Verpackungsgruppe: III
R-Sätze: 20/21/22
S-Sätze: (2)
Arbeitsplatzgrenzwerte: TLV: 10 ppm; 40 mg/m3 (TWA); 15 ppm; 60 mg/m3 (STEL) (Haut) (ACGIH 1996/97). MAK: 10 ppm; 41 mg/m3; H (1998)
Siedepunkt: 170 °C
Schmelzpunkt: -15 °C
Flammpunkt: 65 °C c.c.
Selbstentzündungstemperatur: 491 °C
Relative Dichte (Wasser = 1): 1.13
Löslichkeit in Wasser: Mischbar
Explosionsgrenzen, Vol% in Luft: 1.8 - 16.3

Eigenschaften:

Die farblose Flüssigkeit ist brennbar und hat einen charakteristischen Geruch. Bei einem Kontakt mit Luft oder Licht verfärbt sich der Stoff in rot bis rotbraun. Bei einer Temperatur von mehr als 65°C bilden sich mit der Luft explosible Gemische. Unter dem Einfluss von Säuren kommt es zur Polymerisation. Mit starken Säuren und starken Oxidationsmitteln kommt es zu einer heftigen Reaktion. Dabei besteht Brand- und Explosionsgefahr. Eine Überschreitung des Arbeitsplatzgrenzwertes ist durch den Geruch nicht feststellbar. In der Literatur ist ein Schmelzpunkt von -31°C zu finden.

Symptomatik:

Der Stoff kann oral, über eine Inhalation oder über die Haut (Kontaktgift!!) aufgenommen werden und reizt die Haut, die Augen und die Atemwege. Bereits bei einer Temperatur von 20°C kommt es langsam zu einer toxischen Kontamination der Luft. Der tränenreizende Stoff bewirkt an den Augen eine Rötung und Schmerzen. Bei einer Einwirkung auf die Haut wird diese ausgetrocknet und auch hier ist eine Rötung zu erkennen. Nach einer oralen Aufnahme hat der Patient ein brennendes Gefühl, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Bewusstseinsstörungen bis hin zu Bewusstlosigkeit. (Konzentration muss höher als der Arbeitsplatzgrenzwert sein). Eine inhalative Aufnahme bewirkt Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Husten, Schwindel, Halsschmerzen, Kopfschmerzen und eine Dyspnoe. Eine wiederholte oder länger andauernde Wirkung kann die Haut entfetten und Schädigungen am zentralen Nervensystem verursachen.

Maßnahmen:

Der Patient ist mit umluftunabhängigen Atemschutz aus der kontaminierten Umgebung zu retten. Jeder Patient bekommt mindestens vier Liter Sauerstoff pro Minute. Kontaminierte Kleidung ist zu entfernen und die betroffene Haut ist ausgiebig mit Wasser zu spülen. Bei einer Einwirkung auf das Auge ist dieses zu anästhesieren und sorgfältig zu spülen. Bei einer oralen Aufnahme erhält der Patient 1 Gramm medizinische Kohle pro Kilogramm Körpergewicht. Alle weiteren Maßnahmen erfolgen symptomatisch. Eine klinische Überwachung hat auf jeden Fall zu erfolgen.

Vorsichtsmaßnahmen:

Offene Flammen und Funkenbildung ist zu vermeiden. Es darf nicht geraucht werden. Die Haut und die Augen sind mit geeigneten Schutzmaterialien zu schützen. Beim Personenschutz muss das Atemschutzgerät mindestens einen A/P2-Filter haben.